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28.10.2026, Balance

7 Fragen zu Schule, Beruf und persönlichen Highlights

Der neue Leiter der Abteilung Externe Schulevaluation, Stefan Meyer*, gibt Einblicke in seine Aufgaben, spricht über die Bedeutung einer hohen Schulqualität und erzählt von seinem beruflichen Werdegang, persönlichen Interessen und besonderen Highlights.

Seit dem 1. Mai 2026 leitest du die Abteilung «Externe Schulevaluation». Was genau macht die Externe Schulevaluation eigentlich?

Die Externe Schulevaluation unterstützt die Schulen gemäss gesetzlichem Auftrag bei der Sicherung und Weiterentwicklung ihrer Qualität. Dazu besuchen wir die Schulen vor Ort, befragen verschiedene Anspruchsgruppen schriftlich und mündlich, beobachten Unterricht und analysieren Dokumente. Auf dieser Grundlage geben wir den Schulen eine fachlich fundierte Rückmeldung zu ihren Stärken und möglichen Entwicklungsfeldern. Dabei beurteilen wir nicht einzelne Personen, sondern die Schule als Ganzes. 
Unser Ziel ist nicht die Kontrolle um der Kontrolle willen, sondern ein professioneller Aussenblick. Oft werden Schulen dadurch in ihren bereits bestehenden Entwicklungsprozessen gestärkt. Gleichzeitig werden immer wieder auch Dinge sichtbar, die sich von innen nur schwer erkennen lassen. Die grosse Mehrheit der Zuger Schulen leistet bereits sehr gute Arbeit. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Qualität sichtbar zu machen, Impulse für die weitere Entwicklung zu geben und die Schulen in ihrem öffentlichen Auftrag zu unterstützen.

 

Braucht es in Zeiten von geleiteten Schulen, einheitlichem Lehrplan, obligatorischen Lehrmitteln, standardisierten Tests und Bildungsmonitoring die externe Evaluation überhaupt noch?

Ja, davon bin ich überzeugt. Alle in der Frage genannten Aspekte sind relevant und können einen Beitrag zu einer hohen Schulqualität leisten. Eine umfassende Evaluation einer Schule ersetzen sie jedoch nicht. Gute Schule zeigt sich nicht nur in Testergebnissen, sondern beispielsweise auch in der Unterrichtsgestaltung, der Schulführung, der Zusammenarbeit im Team, dem Umgang mit Vielfalt oder der Schulkultur. Solche Aspekte lassen sich nur begrenzt mit Kennzahlen erfassen. Hinzu kommt, dass umfangreiche Evaluationen für die meisten Schulen mit vertretbarem Aufwand kaum selbst durchführbar wären. Als externe Fachstelle können wir einen unabhängigen und professionellen Blick von aussen einbringen. Die Rückmeldungen aus dem Schulfeld zeigen, dass dieser Aussenblick geschätzt wird und für die Schulentwicklung einen konkreten Nutzen stiftet. Die gemeindlichen Schulen erfüllen zudem einen öffentlichen Auftrag. Deshalb müssen diese auch Rechenschaft über die Umsetzung der kantonalen Vorgaben und Qualitätsansprüche ablegen. Damit leisten wir auch einen Beitrag dazu, dass Schülerinnen und Schüler im ganzen Kanton möglichst vergleichbare Bildungschancen erhalten. Gerade Kinder und Jugendliche haben keine eigene Lobby. Umso wichtiger ist es, die Qualität unseres Bildungssystems kontinuierlich im Blick zu behalten. 

 

Welche drei Begriffe beschreiben dich am besten?

Humorvoll, begeisterungsfähig – sowohl im Sinne von «sich begeistern lassen» als auch andere für etwas begeistern zu können – und gründlich. Ich gehe den Dingen gerne auf den Grund, um sie besser verstehen zu können.

 

Was war als Kind dein Traumberuf?

Ich war schon immer breit interessiert, weshalb ich die Frage nach meinem Traumberuf bereits als Kind nie beantworten konnte. Diese Tatsache spiegelt sich auch in meinem beruflichen Werdegang. Nach der Matura habe ich mit dem Gedanken gespielt, die Jazzschule zu absolvieren, weil ich damals viel Musik machte. Da ich mir aber eingestehen musste, dass ich dafür wohl zu wenig talentiert bin, habe ich – als Sohn eines Unternehmers – schliesslich ein Wirtschaftsstudium an der Universität Zürich begonnen. Nachdem ich dieses erfolgreich abgebrochen hatte, wechselte ich – als Sohn einer Primarlehrerin – an die Pädagogische Hochschule Luzern, wo ich das Studium zum Primarlehrer abschloss. Anschliessend unterrichtete ich zwölf Jahre als Klassenlehrer und hatte dabei immer wieder den Eindruck, einen Traumberuf zu haben. Ein Traumberuf muss für mich sinnstiftend, abwechslungsreich und herausfordernd sein, Kreativität ermöglichen und den regelmässigen Kontakt mit verschiedenen Menschen beinhalten. All das lässt sich auch über meine späteren Tätigkeiten als Schulleiter und als Schulevaluator sagen.

 

Mit wem würdest du gerne einmal einen Monat lang tauschen?

Mit dem japanischen Pianisten und Komponisten Hayato Sumino. Zum einen würde ich einfach gerne so gut Klavier spielen können. Zum andern stelle ich mir vor, dass das Gefühl, auf der ganzen Welt grosse Konzertsäle zu füllen und die verschiedensten Menschen mit der eigenen Musik zu berühren und zu begeistern, sehr erfüllend ist. Und zu guter Letzt möchte ich unbedingt einmal nach Japan reisen.

 

An welche Lehrperson erinnerst du dich gerne und warum?

Wie wohl für die meisten Menschen, die sich für eine berufliche Tätigkeit im Schulwesen entschieden haben, durfte ich eine mehrheitlich positive Schulzeit erleben. Dazu gehört auch, dass ich von vielen tollen Lehrpersonen begleitet wurde, die mich alle auf ihre Weise geprägt haben. So vielfältig wie unsere Gesellschaft ist auch die Schule und damit auch die Lehrpersonen. Diese Vielfalt erachte ich als grosse Qualität der öffentlichen Schulen. Ich mochte immer diejenigen Lehrpersonen besonders, bei welchen man gespürt hat, dass sie mit viel Begeisterung unterrichten. Gerne erinnere ich mich beispielsweise an Herbert Schweizer, bei dem ich an der Kantonsschule Philosophieunterricht hatte. Ihm bereitete es sichtbar Freude, wenn er von Schülerinnen und Schülern mit kritischen Fragen herausgefordert wurde und ich lernte von ihm viel über die Qualität von Argumenten. Auch meine Klavierlehrerin, Charlotte Hügi, war schlicht grossartig. Sie liess sich von mir für Keith Jarrett begeistern und hat in mir mit ebenso grosser Begeisterung – und viel Geduld – die Freude an Rachmaninow geweckt.

 

Welches sind Highlights in deiner Tätigkeit?

Es gibt in meiner Arbeit viele Highlights – genau deshalb bereitet mir diese Aufgabe auch so grosse Freude. Besonders schön ist es, wenn die unterschiedlichen Stärken, Erfahrungen und Interessen unserer Teammitglieder optimal zum Tragen kommen und wir dadurch für die Schulen einen möglichst grossen Nutzen stiften können. Frei nach Aristoteles: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Ein weiteres Highlight ist für mich der Austausch mit den verschiedensten Personen aus der Zuger Bildungslandschaft. Ob Lehrpersonen, Schulleitende, Behördenmitglieder oder Mitarbeitende der kantonalen Verwaltung: Ich erlebe diese Begegnungen stets als offen, interessiert und von dem gemeinsamen Ziel geprägt, die Qualität der Schulen weiterzuentwickeln.

Grosse Freude bereiten mir auch die Evaluationstage vor Ort. Es gibt regelmässig Unterrichtslektionen, bei denen ich denke: Hier würde ich auch meine eigenen Kinder sehr gerne zur Schule schicken. Auch die Offenheit sowie die oft erstaunlich reflektierten Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler in den Gruppeninterviews faszinieren mich immer wieder.

Ein besonderes Highlight sind schliesslich die Auswertungsnachmittage mit den Schulen. Dabei werden die Ergebnisse der Evaluation gemeinsam gesichtet, diskutiert und aus unterschiedlichen Perspektiven eingeordnet. Das grosse Engagement und das echte Interesse an der Weiterentwicklung der eigenen Schul- und Unterrichtsqualität beeindrucken mich jedes Mal aufs Neue. Dieser hohe Gestaltungswille, stets mit dem Ziel, das Bestmögliche für die Schülerinnen und Schüler herauszuholen, zeichnet die Zuger Schulen aus.

 

*Stefan Meyer (41) wohnt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Luzern. Während zwölf Jahren war er als Primarlehrer und Praxislehrperson im Kanton Zug tätig, anschliessend als Schulleiter in Stans. Seit August 2024 arbeitet er bei der Fachstelle Externe Schulevaluation des Kantons Zug, zunächst als Schulevaluator und seit dem 1. Mai 2026 als Abteilungsleiter. In dieser Funktion hat er die Nachfolge von Johannes Furrer angetreten, der die Externe Schulevaluation während 18 Jahren geprägt hat. Seine Freizeit verbringt Stefan Meyer gerne mit Familie und Freunden. Zudem spielt er Klavier, besucht Konzerte, liest, kocht und geniesst gutes Essen.