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02.09.2026, Service

Igitt! Der Versuch, durch Theater unbefangen über Sexualität zu sprechen.

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Wenn Sie an Ihre eigene erste Sexualkundestunde zurückdenken, woran erinnern Sie sich? An Verlegenheit? Überforderung? Neugierde? Oft gehen wichtige Themen durch eine sachliche Vermittlung unter: Was bedeutet Liebe? Wie erkenne ich meine eigenen Gefühle und Grenzen? Was heisst Konsens? Und welche Formen von Liebe, Sexualität und Geschlechtsidentität existieren überhaupt?

Ähnliche Erfahrungen teilen auch die fünf Künstler:innen der Cie Mokett. Aus diesen Erinnerungen ist das Theaterstück Igitt entstanden. Ein zeitgenössisches Kindertheaterstück über Sexualität, Fortpflanzung, Biologie, Befruchtung, sich verändernde Körper, Lust und Neugier. Im Folgenden wird kurz umrissen, wovon dieses Stück handelt und worauf sich Kinder, Lehrpersonen und Eltern einstellen können.
 

Warum ein Kindertheaterstück über Sexualität?

Sexualaufklärung löst bei vielen Erwachsenen noch immer ein mulmiges Gefühl aus. Nicht, weil das Thema unwichtig wäre, sondern weil es in der eigenen Kindheit oft tabuisiert, medizinisch kleingehalten oder mit Scham besetzt wurde. Diese Verunsicherung kann sich leicht auf den Unterricht übertragen: Wenn man selbst nicht gelernt habe, unbefangen über Körper, Lust, Grenzen und Beziehungen zu sprechen, wächst die Unsicherheit, es im Unterricht zu thematisieren.

Genau hier setzt Igitt an. Das Stück möchte nicht mit erhobenem Zeigefinger erklären, was "richtig" oder "falsch" ist.  Stattdessen ist es eine Einladung, mit Humor und Leichtigkeit über das zu sprechen, was sonst tabuisiert wird. Die fünf Schauspieler:innen spielen dabei bewusst mit der Neugierde der Kinder und nehmen ihnen somit nach und nach die Berührungsangst vor dem Thema. 

Das Stück beginnt mit dem vermeintlichen Ende einer Vorstellung: Das Publikum wird gebeten, den Saal zu verlassen, als sich eine "Dame des Lebens" aus dem Publikumsraum zu Wort meldet. Sie schlägt vor, die Anwesenheit der Kinder im Saal zu nutzen, um eine Lektion in "Lebensgeschichte" zu halten, eine Lektion, die sie in allen Schulen des Kantons abhalten soll. 

Die "Dame des Lebens" wirkt selbst überfordert von dem Thema, das sie eigentlich vermitteln soll. Antoine bietet sich spontan als ihr Praktikant an, ohne zuzugeben, dass er selbst kaum etwas über Fortpflanzung weiss. Charlotte, scheinbar von einer "Abteilung für sexuelle Sicherheit", mischt sich ein, um den Unterricht zu überwachen. Delphine ist die Gastgeberin vor Ort. Und schliesslich enttarnt sich Angelo, als Kind verkleidet, als erwachsener Zuschauer, der nie eine solche Unterrichtsstunde erhalten hat.

Die Verwirrung dieser erwachsenen Figuren stellt sie auf eine Ebene mit den Kindern im Publikum. Niemand weiss hier alles, niemand muss sich für seine Fragen schämen. Es gibt keine Wissenden, die erklären, und keine Unwissenden, die nur zuhören. Alle Anwesenden entdecken dieses Thema gemeinsam. 

Das Stück richtet sich an Schüler:innen ab neun Jahren. In diesem Alter wird in der Regel an Schweizer Schulen erstmals Sexualkunde unterrichtet. Die fünf Schauspieler:innen treten unter ihren eigenen Vornamen auf, um im Spiel einen ehrlichen, direkten Dialog mit dem Publikum zu ermöglichen.

Spielerisch werden gängige Mythen rund um den "Storch, der das Baby bringt" und "Adam und Eva" aufgegriffen und gefragt, was eigentlich dahintersteckt. Vom abenteuerlichen Wettrennen der Spermien über ihr erstes Treffen mit der Eizelle bis hin zum Aufbrechen grosser Geschlechterklischees führt das Stück die Kinder behutsam durch humorvolle Szenen. Dabei wird nicht alles explizit erklärt oder gezeigt. Den Schauspieler:innen gelingt es auf bemerkenswerte Weise, einen geschützten Raum zu öffnen, in dem Fragen gestellt und beantwortet werden dürfen, ohne dass die Kinder blossgestellt oder überfordert werden.

Der Lehrplan 21 sieht bereits im Zyklus 2 (3.-6. Klasse) eine schulische Auseinandersetzung mit Körper und Sexualität vor. Kinder sollen Kompetenzen erwerben, ihren eigenen Körper wahrzunehmen, Grenzen zu erkennen und zu respektieren sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst und anderen zu pflegen. Das ist insbesondere relevant, da nicht alle Kinder gleichermassen zu Hause informiert werden oder offen über dieses Thema sprechen können. Darüber hinaus bringt die bevorstehende Pubertät körperliche, psychische und soziale Veränderungen mit sich bringt, die für viele Kinder verunsichernd sind.

Schule und Theater können hier einen wichtigen Ausgleich schaffen. Sexuelle Bildung gibt Kindern die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Begriffe kennenzulernen und eine eigene Haltung zu entwickeln. Sie stärkt die Fähigkeit, den eigenen Körper wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und die Grenzen anderer zu respektieren. Altersgerechte Information können Unsicherheit und Scham abbauen und Kindern Sicherheit geben. 

Igitt versteht sich als Ergänzung zum Schulunterricht. Das Theater bietet die Chance, einen anderen, fiktiven Zugang zu schaffen, und kann dort ansetzen, wo Unterricht manchmal an Grenzen stösst. Es lädt Kinder dazu ein, neugierig zu bleiben, ihren Körper besser kennenzulernen und über Grenzen, Bedürfnisse und Vielfalt zu sprechen.

 

 

Für Schulen

Das Junge Theater Casino Zug bietet ergänzend zur Schulvorstellung verschiedene Vermittlungsangebote an, wie vorbereitende Workshops an Schulen, eine theaterpädagogische Mappe oder ein Nachgespräch im Theater im Anschluss der Vorstellungen. So besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder die Themen spielerisch zu vertiefen. Für gemeindliche und kantonale Schulen sind diese Angebote kostenfrei.

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